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Alle Arbeiten oder Leistungen, zu denen ein Mensch gegen seinen Willen und unter Androhung einer Strafe oder eines sonstigen Übels gezwungen wird. Zwischen den beiden Weltkriegen war Zwangsarbeit vor allem mit der Kolonialisierung verknĂŒpft. Im Zweiten Weltkrieg war sie ein verbreitetes UnterdrĂŒckungsinstrument, das von Nazi-Deutschland und einigen seiner VerbĂŒndeten aus ökonomischen GrĂŒnden eingesetzt wurde. Die Nationalsozialisten zwangen mehr als sieben Millionen Menschen aus zahlreichen besetzten LĂ€ndern dazu, in Deutschland zu arbeiten. Viele von ihnen wurden in der Landwirtschaft oder in der Industrie eingesetzt. HĂ€ftlinge der Konzentrationslager (KZ) wurden beispielsweise dazu gezwungen, in der deutschen RĂŒstungsindustrie zu arbeiten.

A
AchsenmÀchte

LĂ€nderkoalition unter der FĂŒhrung von Nazi-Deutschland, Italien und Japan, die im Zweiten Weltkrieg gemeinsam gegen die Alliierten StreitkrĂ€fte kĂ€mpfte. Der Begriff wurde zum ersten Mal von dem italienischen Diktator Benito Mussolini verwendet, als er nach der Unterzeichnung eines deutsch-italienischen Freundschaftsvertrags 1936 von einer „Achse Berlin-Rom“ sprach. Die drei LĂ€nder bildeten eine Koalition, um ihre Expansionspolitik abzusichern.

Alliierten, die

Bezeichnung fĂŒr die Alliierten StreitkrĂ€fte im Zweiten Weltkrieg, zu denen zunĂ€chst das Vereinigte Königreich, Polen und Frankreich und spĂ€ter auch die USA und die Sowjetunion sowie freie StreitkrĂ€fte aus deutsch besetzten LĂ€ndern – unter anderem Polen, Frankreich und Belgien – gehörten. Sie kĂ€mpften gegen Deutschland, Italien und Japan, die sogenannten AchsenmĂ€chte.

Anne Frank

Annelies Marie Frank (1929–1945) floh 1934 mit ihrer deutsch-jĂŒdischen Familie in die Niederlande. Ab Juli 1942 tauchte die Familie in Amsterdam unter, sie wurden jedoch von den Nationalsozialisten (Nazis) und ihren Kollaborateuren aufgespĂŒrt und verhaftet. Anne und ihre Schwester Margot wurden im Konzentrationslager Bergen-Belsen ermordet, ihre Mutter Edith in Auschwitz. Nur ihr Vater Otto Frank ĂŒberlebte. Er veröffentlichte Annes Tagebuch, in dem sie ihr Leben im Versteck beschreibt. Weitere Informationen findet ihr auf der Website des Anne Frank-Haus.

Annexion

Erzwungene Eingliederung eines anderen Staatsgebiets durch dessen Besatzung, wobei hÀufig militÀrische Mittel eingesetzt werden.

Anschluss

Nationalsozialistischer Propagandabegriff fĂŒr die Annexion Österreichs durch Nazi-Deutschland im MĂ€rz 1938 und die anschließende Eingliederung Österreichs. Die einmarschierenden Truppen wurden von einer jubelnden Menschenmenge begrĂŒĂŸt.

Antijudaismus

Pauschale Ablehnung des Judentums (Religion und Kultur der JĂŒdinnen und Juden) und seiner AnhĂ€nger (JĂŒdinnen und Juden) aufgrund religiöser Vorurteile oder konkurrierender religiöser Überzeugungen. Das Judentum wird als Gefahr fĂŒr moderne westliche Gesellschaften dargestellt. Antijudaismus wird manchmal auch als „religiöser Antisemitismus“ bezeichnet.

Antimuslimischer Rassismus

Form eines kulturellen Rassismus gegen Musliminnen und Muslime, nach dem sich westlich und islamisch geprĂ€gte Kulturen gegenseitig ausschließen. Ersteren wird dabei eine ĂŒberlegene Rolle zugeschrieben. Religiöse und kulturelle Symbole wie ein Hidschāb oder ein Turban können als Vorwand dienen, um ganze Menschengruppen zu verurteilen und zu diskriminieren.

Antisemitische Gesetze wÀhrend des Nationalsozialismus

Das nationalsozialistische Regime hat zwischen 1933 und 1939 zahlreiche Gesetze erlassen, die die Grund- und Menschenrechte der jĂŒdischen Bevölkerung in Deutschland einschrĂ€nkten oder außer Kraft setzten. So wurde beispielsweise jĂŒdischen LehrkrĂ€ften und SchĂŒler*innen der Besuch staatlicher Schulen verboten. JĂŒdinnen und Juden durften bestimmte Berufe nicht mehr ausĂŒben und wurden gezwungen, Zweitnamen anzunehmen (Frauen mussten sich „Sara“, MĂ€nner „Israel“ nennen). Auch Vichy-Frankreich verabschiedete zwischen 1940 und 1941 anti-jĂŒdische Gesetze. JĂŒdinnen und Juden durften keine öffentlichen Ämter mehr ĂŒbernehmen und ihnen wurden die BĂŒrgerrechte aberkannt. In allen von Nazi-Deutschland besetzten LĂ€ndern litt die jĂŒdische Bevölkerung unter einer antisemitischen Gesetzgebung.

Antiziganismus

Diskriminierung gegen Sinti und Roma. HĂ€ufig wird der Begriff „Antiziganismus“ verwendet. Er wird aber auch kritisiert, da er das Schimpfwort „Zigeuner“ enthĂ€lt. Der Gebrauch des Schimpfworts „Zigeuner“ verweist auf eine Reihe von Vorstellungen, die nichts mit den Sinti und Roma zu tun haben.

Antizionismus

Ablehnung des Zionismus – der Idee eines jĂŒdischen Nationalstaats in PalĂ€stina – aus politischen oder ideologischen GrĂŒnden. Antizionisten sprechen Israel, als jĂŒdischem Staat, seit der StaatsgrĂŒndung das Existenzrecht ab. Sie wenden hĂ€ufig doppelte Standards an, indem sie an Israel VerhaltensansprĂŒche stellen, die sie von keinem anderen Land erwarten. Die Grenze zwischen Antizionismus und Antisemitismus ist fließend.

Arbeitslager

Lager fĂŒr Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die beispielsweise in der Landwirtschaft, in Fabriken, im Straßenbau oder auf sonstigen Baustellen eingesetzt wurden. UrsprĂŒnglich dienten sie der Bestrafung von StraftĂ€tern. Im 20. Jahrhundert jedoch wurden in den Arbeitslagern totalitĂ€rer Regimes – sowohl kommunistischer als auch faschistischer – politische Gegner inhaftiert. Die Haftbedingungen waren unterschiedlich, doch fĂŒr zahlreiche HĂ€ftlinge fĂŒhrten sie zum Tod.

Asexuell

Als asexuell bezeichnen sich Menschen, die sich von keiner anderen Person sexuell angezogen fĂŒhlen, unabhĂ€ngig von Geschlecht und Gender.

Auschwitz (KZ)

Komplex von Konzentrations- und Vernichtungslagern, die von den Nationalsozialisten wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs im besetzten Polen errichtet und betrieben wurden. Das KZ Auschwitz I wurde zunĂ€chst fĂŒr polnische politische Gefangene errichtet, die ab Mai 1940 dort inhaftiert wurden. Auschwitz II-Birkenau wurde 1942 zum grĂ¶ĂŸten Zentrum der sofortigen, direkten Vernichtung von JĂŒdinnen und Juden. Die Menschen wurden bei ihrer Ankunft selektiert (in verschiedene Gruppen eingeteilt): WĂ€hrend die meisten sofort in den Gaskammern ermordet wurden, wurden andere als Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter eingesetzt. Im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau wurden 1,1 Millionen Menschen ermordet. Neunzig Prozent von ihnen, weil sie als „jĂŒdisch“ angesehen wurden. Zu den nĂ€chstgrĂ¶ĂŸeren Opfergruppen zĂ€hlten nicht-jĂŒdische Polinnen und Polen, Roma und Sinti sowie sowjetische Kriegsgefangene. Als Auschwitz am 27. Januar 1945 von der sowjetischen Armee befreit wurde, waren nur noch wenige kranke HĂ€ftlinge im Lager – die anderen waren kurz zuvor auf sogenannte TodesmĂ€rsche getrieben worden, die andere Konzentrationslager (KZ) zum Ziel hatten.

B
Bergen-Belsen (KZ)

Konzentrationslager (KZ) in Norddeutschland, das ursprĂŒnglich fĂŒr Kriegsgefangene gebaut worden war. 1943 ĂŒbernahm die SS einen Teil des Lagers. Bergen-Belsen war fĂŒr viele HĂ€ftlinge ein Transitlager, bevor sie weiter in ein Vernichtungslager deportiert wurden. Die britischen Truppen, die das Lager im April 1945 befreiten, fanden etwa 60.000 verhungernde HĂ€ftlinge vor, von denen nach der Befreiung noch etwa 14.000 starben. Insgesamt wurden in Bergen-Belsen etwa 50.000 Menschen ermordet, die meisten von ihnen waren jĂŒdisch.

Besatzung

Im Zweiten Weltkrieg marschierte Deutschland in viele LÀnder ein und besetzte sie, beispielsweise die Tschechoslowakei, Polen, Frankreich, Belgien, die Niederlande und die UdSSR.

Beschuldigen

Jemandem, ausgesprochen oder unausgesprochen, die Schuld an einem Misserfolg oder unerwĂŒnschten Ergebnis geben. Der Begriff „Opferbeschuldigung“ (auch „TĂ€ter-Opfer-Umkehr“) beschreibt ein Vorgehen, das die Schuld fĂŒr ein Fehlverhalten oder eine Straftat ganz oder teilweise beim Opfer sucht. Weitere Informationen dazu findet ihr in diesem Video von BrenĂ© Brown.

BeĆ‚ĆŒec

Vernichtungslager, das von den deutschen Nationalsozialisten im Dorf BeĆ‚ĆŒec in der NĂ€he von Lublin im besetzten Polen errichtet wurde. Dort wurden zwischen MĂ€rz und Dezember 1942 fast eine halbe Million Menschen von der SS ermordet. Die meisten waren polnische JĂŒdinnen und Juden. Die SS ermordete sie, indem sie Auspuffgase in die Gaskammern leitete.

Bisexuell

Als bisexuell bezeichnen sich Menschen, die sich sowohl zu Frauen als auch zu MĂ€nnern emotional und/oder sexuell hingezogen zu fĂŒhlen.

Black American

Der Begriff wird von vielen Menschen in den USA der Bezeichnung „African American“ vorgezogen, da er keine „afrikanischen Wurzeln“ betont, mit denen sich manche gar nicht identifizieren.

C
Chemiewaffen

Toxische Chemikalien, die eingesetzt werden, um Menschen massenhaft SchĂ€den zuzufĂŒgen oder zu töten. Dazu zĂ€hlen auch Nervengase. Sie werden als Massenvernichtungswaffen eingestuft, da sie unterschiedslos allen schaden, die mit ihnen in Kontakt kommen. Chemiewaffen wurden erstmals im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Im Iran-Irak-Krieg der 1980er-Jahre setzten beide Seiten solche Waffen ein und auch im syrischen BĂŒrgerkrieg wurden zwischen 2013 und 2017 jedes Jahr entsprechende Angriffe bestĂ€tigt und international verurteilt. Die 1993 unterzeichnete Chemiewaffenkonvention verbietet die Herstellung, den Besitz und den Einsatz chemischer Waffen. Trotzdem sind auch weiterhin enorme BestĂ€nde im Umlauf.

D
Diskriminierung

Ungleichbehandlung auf Basis von Kategorien wie Herkunft, Religion, Geschlecht, SexualitĂ€t oder Behinderung. Obwohl grundlegende Menschenrechte zur Gleichbehandlung aller in den Verfassungen oder Gesetzgebungen vieler LĂ€nder verankert sind, findet Diskriminierung auch weiterhin sowohl auf persönlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene statt. Der Grund dafĂŒr sind hĂ€ufig verbreitete und gesellschaftlich akzeptierte (meist negative) Vorstellungen ĂŒber bestimmte Gruppen oder gesellschaftliche Normen.

Drancy Transitlager

Ein Lager in der französischen Stadt Drancy, 20 Kilometer nordöstlich von Paris. 1941 wurde es als Internierungslager fĂŒr nicht-französische JĂŒdinnen und Juden eingerichtet. SpĂ€ter wurde es jedoch zum grĂ¶ĂŸten Transitlager in Frankreich. Die meisten französischen JĂŒdinnen und Juden wurden vor ihrer Deportation durch die Nationalsozialisten und deren Kollaborateure dort eingesperrt.

Drittes Reich

Nationalsozialistischer Propagandabegriff fĂŒr Nazi-Deutschland.

E
Erster Weltkrieg

Dieser Krieg begann im Juli 1914 in Europa und dauerte bis November 1918. Die beiden grĂ¶ĂŸten gegnerischen BĂŒndnisse waren die Alliierten (Russland, Frankreich und Großbritannien) einerseits und die MittelmĂ€chte (Deutschland und das Kaiserreich Österreich-Ungarn) andererseits. Mit der Zeit beteiligten sich weitere LĂ€nder. Dieser Krieg war einer der grĂ¶ĂŸten der Geschichte und der erste, in dem Chemiewaffen breit eingesetzt wurden (chemische KriegsfĂŒhrung). Mehr als 16 Millionen Menschen (einschließlich Zivilpersonen) kamen ums Leben. Der Krieg endete mit dem Sieg der Alliierten.

EthnizitÀt

Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Menschen, die dieselbe oder eine Ă€hnliche Sprache sprechen, sich auf dasselbe kulturelle Erbe, eine gemeinsame Geschichte oder dieselbe Heimatregion beziehen. Diese Zugehörigkeit wird hĂ€ufig durch die Geburt bestimmt. Das Konzept der EthnizitĂ€t wird manchmal mit Kategorien wie Nation, Volk/Bevölkerung oder der Vorstellung von „Rasse“ verwechselt.

F
FlĂŒchtling, GeflĂŒchtete*r

Eine Person, die wegen Krieg oder rassistischer, religiöser oder politischer Verfolgung aus ihrem Land fliehen muss. Personen, denen ein FlĂŒchtlingsstatus eingerĂ€umt wurde, sind nach internationalem Recht geschĂŒtzt. Sie dĂŒrfen nicht abgeschoben oder in Situationen gebracht werden, die gefĂ€hrlich fĂŒr sie sind. Asylsuchende sind Personen, ĂŒber deren Bitte um Schutz noch nicht entschieden wurde.

G
Genozid (Völkermord)

Handlung, die in der Absicht begangen wird, eine nationale, ethnische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu vernichten. Zu solchen Handlungen zĂ€hlen Massentötungen, außerdem umfasst der Begriff jedoch auch die systematische Zerstörung von sozialen, politischen und kulturellen Einrichtungen und Strukturen sowie von Sprache oder Religion. Beispiele aus der Geschichte sind der Holocaust und der Porajmos wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs sowie der Genozid 1994 in Ruanda. Weitere Informationen findet ihr auf der Website der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). 1948 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Konvention ĂŒber die VerhĂŒtung und Bestrafung des Völkermordes. Diese soll den Mitgliedsstaaten eine Orientierung bieten, wie sie Genoziden vorbeugen oder diese bestrafen können. Bis heute (2017) wurde die Konvention von 143 LĂ€ndern ratifiziert.

Gerechter unter den Völkern

Ehrentitel des Staates Israel fĂŒr nicht-jĂŒdische Einzelpersonen, die im Nationalsozialismus ihr Leben einsetzten, um verfolgte JĂŒdinnen und Juden vor der Ermordung zu retten, ohne dafĂŒr eine Belohnung oder Geld zu erwarten. Bis zum 1. Januar 2017 wurden 26.513 Personen aus 51 LĂ€ndern mit dem Titel Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet. Weitere Informationen findet ihr in der Datenbank zu den Gerechten unter den Völkern (EN).

Geschlecht (Gender)

Eigenschaften, GefĂŒhle und Verhaltensweisen, anhand derer eine Gesellschaft oder Kultur jemanden als „weiblich“ oder „mĂ€nnlich“ einordnet. Dieses konstruierte Konzept ist in verschiedenen Gesellschaften unterschiedlich und somit verĂ€nderbar. Wenn Einzelpersonen oder Gruppen den erwarteten Geschlechtsnormen nicht entsprechen, sind sie oft mit Diskriminierung oder sozialer Ausgrenzung konfrontiert.

GeschlechtsidentitÀt

Die individuell empfundene Geschlechtszugehörigkeit, die „mĂ€nnlich“, „weiblich“, „sowohl weiblich als auch mĂ€nnlich“ oder auch das Fehlen (oder die Ablehnung) jeglicher GeschlechtsidentitĂ€t sein kann. Die GeschlechtsidentitĂ€t einer Person kann von dem Geschlecht abweichen, das ihr bei ihrer Geburt zugewiesen wurde.

Gestapo (Geheime Staatspolizei)

Die Geheime Staatspolizei verfolgte in Nazi-Deutschland diejenigen, die von den Nationalsozialisten als Feinde angesehen wurden. Sie besaß weitreichende Machtbefugnisse und konnte Menschen willkĂŒrlich verhaften oder in Konzentrationslager (KZ) einweisen. Die Gestapo war in vielen LĂ€ndern an den Deportationen der jĂŒdischen Bevölkerung und anderer Verfolgtengruppen beteiligt.

Gewaltfreier ziviler Ungehorsam

Friedliche Weigerung, bestimmte Gesetze oder Befehle zu befolgen, um die Gesetzgebung oder Politik zu beeinflussen. Beispiele fĂŒr gewaltfreie Protestformen sind Unternehmens- oder Wahlboykotte, Aufstellung von Streikposten, Sitzblockaden, Besetzungen, Bummelstreiks, Massendemonstrationen oder Hungerstreiks.

Ghetto

Zum ersten Mal wurde das Wort „Ghetto“ im 16. Jahrhundert in Venedig verwendet. Es bezeichnete ein abgetrenntes Wohngebiet, in dem JĂŒdinnen und Juden leben mussten. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten in zahlreichen besetzten europĂ€ischen StĂ€dten Ghettos und zwang die jĂŒdische Bevölkerung, darin zu leben. Dies betraf manchmal auch Roma. Die in den Ghettos zur VerfĂŒgung gestellten Nahrungsmittel reichten nicht aus. Dies fĂŒhrte – gemeinsam mit den beengten WohnverhĂ€ltnissen, den unsĂ€glichen hygienischen Bedingungen und der oft schweren Zwangsarbeit – zu einer hohen Sterberate. Viele Menschen wurden aus den Ghettos in die Vernichtungslager deportiert.

Ghettoisierung

Konzentration von Menschengruppen in bestimmten Stadtgebieten, entweder durch offenen Zwang oder durch das Verweigern anderer WohnrĂ€ume. Solche Gebiete haben hĂ€ufig eine schlechtere Infrastruktur, die WohnungsqualitĂ€t ist niedriger, sie sind ĂŒberfĂŒllt und heruntergekommen.

Große Depression

Weltweite Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre, von der viele LĂ€nder betroffen waren. Auslöser war der Börsencrash in den USA im Oktober 1929. Dieser fĂŒhrte zum Zusammenbruch des Bankensystems und zum Bankrott vieler GeschĂ€fte in Europa.

H
Hassreden (Hate speech)

Sprachliche Ausdrucksweisen von Hass mit dem Ziel der Beleidigung und Verunglimpfung bestimmter Personen aufgrund deren Geschlecht (Gender), Herkunft, sexueller Orientierung, Religion, Behinderung etc. Eine Hassrede kann den Hass der sprechenden Person ausdrĂŒcken oder zum Ziel haben, das Publikum zum Hass aufzustacheln. Zum Inhalt von Hassreden gehört die UnterstĂŒtzung oder Rechtfertigung von Diskriminierung. Eine Hassrede in ihrer extremsten Form ruft offen zur GewaltausĂŒbung gegen bestimmte Gruppen oder Einzelpersonen auf. Die Hauptzielgruppen von Hassreden im Internet und den Medien sind LGBT+, Muslime und Frauen. In vielen LĂ€ndern kann das Halten von Hassreden strafrechtlich verfolgt werden. Weitere Informationen findet ihr in den No Hate Survey Results der No Hate Speech Movement (EN).

Hassverbrechen

Eine in der Regel gewalttĂ€tige Straftat aufgrund von Hass oder Vorurteilen seitens der TĂ€ter*innen gegenĂŒber dem Geschlecht, der Herkunft, Religion, sexuellen Orientierung, NationalitĂ€t, Behinderung etc., das/die der angegriffenen Person zugeschrieben wird. Als Hassverbrechen können körperliche Übergriffe, SachbeschĂ€digungen, Mobbing, BelĂ€stigungen, Beleidigungen oder Hassbriefe eingestuft werden. In manchen LĂ€ndern gelten spezifische Gesetze, die Hassverbrechen verhindern sollen. So kann das Strafmaß der zugrundeliegenden Straftat erhöht werden, wenn die Feindlichkeit einer bestimmten sozialen Gruppe gegenĂŒber als Motiv feststeht.

HeteronormativitÀt

Weltanschauung nach der HeterosexualitĂ€t die Norm ist und nur ein binĂ€res (entweder „mĂ€nnlich“ oder „weiblich“) Geschlechtssystem existiert (System der Zweigeschlechtlichkeit). Nach dieser Überzeugung wird das biologische Geschlecht mit GeschlechtsidentitĂ€t, Geschlechtsrolle und sexueller Orientierung gleichgesetzt.

Hidschāb

Kopftuch, das von manchen muslimischen Frauen im Beisein von erwachsenen MĂ€nnern getragen wird, die nicht zum engen Familienkreis gehören. Der Hidschāb verhĂŒllt den Kopf und die Brust und gilt in der islamischen Tradition als Zeichen von Bescheidenheit und ZurĂŒckgezogenheit.

Holocaust

GebrĂ€uchlichste Bezeichnung des Massenmords an den europĂ€ischen JĂŒdinnen und Juden durch Nazi-Deutschland und seine VerbĂŒndeten wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bezeichnet „eine vollstĂ€ndig (holos) verbrannte (kaustos) Opfergabe“. Wegen einer naheliegenden Gleichsetzung des Mordes an der jĂŒdischen Bevölkerung mit einer Opfergabe wird der Begriff von vielen als beleidigend empfunden. Stattdessen wird hĂ€ufig der Begriff Shoah verwendet. Eine breitere Definition von „Holocaust“ schließt auch nicht-jĂŒdische Opfer der nationalsozialistischen Politik des Massenmords wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs mit ein.

Homogen

Von gleicher oder Àhnlicher Art.

Homophobie

Vorurteil gegen, Hass auf oder Angst vor LGBT+ und HomosexualitĂ€t. Der Begriff wird kritisiert, da er fĂ€lschlicherweise ein medizinisches Problem nahelegt: dass es sich bei der feindlichen Einstellung um nicht kontrollierbare AngstgefĂŒhle handele („Phobie“). Die meisten Menschen, die Angst vor Homosexuellen haben oder diese diskriminieren, denken, dass ihre GefĂŒhle eine rationale Grundlage haben. Sie beziehen sich dabei hĂ€ufig auf religiöse oder heteronormative Konzepte.

HomosexualitÀt

Sexuelle Orientierung; erotisches und/oder romantisches Begehren gegenĂŒber Personen des eigenen Geschlechts.

I
IdentitÀt

Der Begriff „IdentitĂ€t“ bezeichnet die individuellen Eigenschaften, Überzeugungen, Ausdrucksformen und Merkmale, die uns ausmachen. Mit Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wo gehöre ich dazu?“, „Wo bin ich anderen Ă€hnlich und wo unterscheide ich mich von ihnen?“ (Selbstwahrnehmung) oder „Wie sehen mich andere?“ fragen wir nach unserer IdentitĂ€t.

Unsere IdentitĂ€t ist nicht genetisch festgelegt und sie verĂ€ndert sich im Laufe unseres Lebens. Sie wird von unserer Umgebung geprĂ€gt, beispielsweise von unserer Herkunftsfamilie und der Kultur, in der wir uns bewegen. Manche Teile unserer IdentitĂ€t sind sichtbar, andere nicht. Wir alle identifizieren uns mit vielen unterschiedlichen Gruppen. Niemand ist nur Mann oder Frau, nur SchĂŒler oder Lehrerin, nur Moslem oder Christin, nur Jude oder Atheistin. Einzelne Eigenschaften teilen wir mit vielen anderen, doch die Zusammenstellung unserer Eigenschaften als Ganzes ist einzigartig fĂŒr jeden Menschen.

Imam

Vorbeter in der Moschee, der den Koran lehrt und religiöse FĂŒhrung anbietet. In vielen Strömungen des schiitischen Islams wird der Imam außerdem traditionell als islamischer Religions- und Rechtsgelehrter anerkannt. Er gilt als das religiös-politische Oberhaupt der islamischen Gemeinschaft.

Institutioneller Rassismus

Rassismus, der in sozialen oder politischen Institutionen verbreitet ist und von ihnen aufrechterhalten wird. Der institutionelle Rassismus umfasst die Leugnung von Rassismus, die Erstellung von TĂ€terprofilen nach rassischen Gesichtspunkten (racial profiling), die Ausgrenzung im Bildungssystem und auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt sowie die Diskriminierung bei der politischen Teilhabe, beispielsweise bei Wahlen.

Intersexuell

Als intersexuell werden Menschen bezeichnet, die anhand ihrer körperlichen Merkmale bei der Geburt nicht eindeutig dem weiblichen oder dem mÀnnlichen Geschlecht zugeordnet werden können.

Islamfeindlichkeit

Feindlichkeit gegenĂŒber der Religion des Islam, die hĂ€ufig als gewalttĂ€tig, radikal und als Gefahr fĂŒr westlich geprĂ€gte Gesellschaften wahrgenommen wird. Das Bild des Islam als „Religion des Schwertes“ kam im Zuge der mittelalterlichen KreuzzĂŒge (Religionskriege) nach Westeuropa und hĂ€lt sich bis heute. Die TerroranschlĂ€ge 2001 in den Vereinigten Staaten (9/11) und weitere Angriffe werden von Islam-Feinden benutzt, um alle Musliminnen und Muslime unterschiedslos als religiöse Fanatiker darzustellen.

Islamophobie

Hass gegen Musliminnen und Muslime und die islamische Kultur im Allgemeinen oder Angst davor. Der Begriff Islamophobie wird teils als Bezeichnung fĂŒr die diskriminierende Ansicht verwendet, dass alle Muslime religiöse Fanatiker und eine Gefahr fĂŒr Nicht-Muslime wĂ€ren und dass der Islam an sich mit Gleichheit, Toleranz und Demokratie nicht vereinbar sei. Der Begriff wird jedoch kritisiert, da er nahelegt, dass es sich bei den Einstellungen nur um AngstgefĂŒhle handele („Phobie“) und nicht um Hass (oder: Diskriminierung, vgl. ErklĂ€rung zu „LGBTQIA*“).

J
JĂŒdinnen und Juden

Die jĂŒdische Gemeinschaft umfasst verschiedene Gruppen. Dazu zĂ€hlen das orthodoxe Judentum, das liberale und Reformjudentum sowie das weltliche Judentum. Die GrĂŒnde, warum sich jemand als jĂŒdisch versteht, sind von Person zu Person unterschiedlich. Manche halten zwar die jĂŒdischen Glaubensregeln nicht ein, fĂŒhlen sich aber anderen JĂŒdinnen und Juden aufgrund der gemeinsamen Herkunft verbunden. Andere feiern die jĂŒdischen Festtage. Und fĂŒr wieder andere spielt ihr jĂŒdischer Hintergrund keine große Rolle. Das jĂŒdische Religionsrecht erklĂ€rt die Kinder einer jĂŒdischen Mutter als jĂŒdisch. JĂŒdinnen und Juden glauben an einen einzigen Gott, der als Schöpfer des Universums angesehen wird. Zu diesem Gott ist eine individuelle und persönliche Beziehung möglich. Man kann zum Judentum konvertieren (ĂŒbertreten). Voraussetzung ist die Auseinandersetzung mit der Religion und eine Teilhabe am jĂŒdischen Leben. Dieser Prozess wird von einer Rabbinerin oder einem Rabbiner begleitet.

K
Kapo

Als Kapos wurden FunktionshĂ€ftlinge in den Konzentrationslagern bezeichnet, die von der SS mit der Beaufsichtigung anderer HĂ€ftlinge bei der Zwangsarbeit beauftragt worden waren. Sie sollten im Lager fĂŒr Ordnung sorgen oder auch Verwaltungsaufgaben ĂŒbernehmen. Die Herkunft der Bezeichnung ist unklar. Sie könnte eine AbkĂŒrzung fĂŒr Kameradschaftspolizei oder von dem Wort capo sein, das im Italienischen „Haupt“ oder „AnfĂŒhrer“ bedeutet. Kapos erhielten Hafterleichterungen wie grĂ¶ĂŸere Essensrationen oder bessere Kleidung und waren ein wenig vor der WillkĂŒr der SS geschĂŒtzt.

Karikatur

Eine Zeichnung, die charakteristische ZĂŒge einer Person vereinfacht oder ĂŒbertrieben darstellt, um eine komische Wirkung zu erzielen. Sie kann schmeichelhaft oder kritisch sein. Als die Zeitungen im 18. Jahrhundert begannen, regelmĂ€ĂŸig Karikaturen zu drucken, entwickelten sich diese zu einer beliebten politischen Kunstform.

Katholisch

Die katholische Kirche ist der grĂ¶ĂŸte Zweig innerhalb des Christentums. Die grĂ¶ĂŸte katholische Gruppe bildet die römisch-katholische Kirche, deren Oberhaupt der Papst ist. Sitz des Papstes ist der Vatikan im Stadtgebiet von Rom. Die Kirchenmitglieder glauben an einen einzigen Gott und an die Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus.

Kippah

Kleine kreisförmige MĂŒtze aus Stoff oder Garn, die den Hinterkopf bedeckt. Üblicherweise wird die Kippah von jĂŒdischen MĂ€nnern im religiösen Kontext getragen, wie beim Gottesdienst oder dem Besuch einer Synagoge. Orthodoxe Juden tragen die Kippah auch im Alltag. Die Kippah wird auch Jarmulke genannt.

Kirche

Unter einer Kirche wird ein von einer christlichen Glaubensgemeinschaft zum öffentlichen Gebet genutztes Bauwerk verstanden. Auch unterschiedliche christliche Glaubensgemeinschaften, die sich in ihren Glaubens- und Gebetsformen unterscheiden, bezeichnen sich als „Kirchen“.  So gibt es beispielsweise die presbyterianische Kirche, die katholische Kirche oder die orthodoxe Kirche.

Kolonialismus

Unterhaltung von Kolonien. Kolonien sind Gebiete unter der direkten Kontrolle eines fremden Staates. Viele westliche Staaten wie Frankreich, Spanien, das Vereinigte Königreich, Niederlande oder Belgien hatten seit dem 16. Jahrhundert Kolonien in Amerika, Afrika, Asien und Australien. Die gewaltsame Ausbeutung der Kolonialgebiete war durch MachtverhĂ€ltnisse geprĂ€gt, in denen die Eroberer alle grundlegenden Entscheidungen trafen, die das Leben der ansĂ€ssigen Bevölkerung bestimmten. Diese Politik fĂŒhrte zur Segregation (der sogenannten Rassentrennung) und zur wirtschaftlich-politischen UnterdrĂŒckung der lokalen Bevölkerung. Die europĂ€ischen Kolonisten fĂŒhlten sichÂ ĂŒberlegen und befugt, ĂŒber andere zu herrschen.

Konzentrations- und Vernichtungslager

Die deutschen Nationalsozialisten (Nazis) richteten ab 1933 zahlreiche Konzentrationslager (KZ) ein. ZunĂ€chst wurden dort hauptsĂ€chlich politische Gegnerinnen und Gegner inhaftiert. SpĂ€ter kamen JĂŒdinnen und Juden, als Polen Verfolgte, Sinti und Roma, Angehörige der Kirche, Zeugen Jehovahs, als „Asoziale“ Verfolgte, Homosexuelle und weitere Personengruppen dazu, die als Feinde des nationalsozialistischen Deutschland betrachtet wurden. In den Lagern starben Tausende durch Folter, Hinrichtung, medizinische Menschenversuche, UnterernĂ€hrung oder sonstige Misshandlungen. Die Vernichtungslager wurden von den Nazis speziell fĂŒr den systematischen Massenmord an Hunderttausenden von Menschen – vor allem JĂŒdinnen und Juden sowie Roma und Sinti – errichtet. Die meisten Menschen wurden in Gaskammern oder bei Massenerschießungen ermordet. Außerdem wurden viele Gefangene durch Zwangsarbeit bei gleichzeitigem Nahrungsentzug ermordet. Etwa die HĂ€lfte der sechs Millionen JĂŒdinnen und Juden, die im Holocaust ermordet wurden, starben in den deutschen Nazi-Lagern.

Kristallnacht

Verharmlosende Bezeichnung der antisemitischen Pogrome in Deutschland, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 ihren Höhepunkt fanden. Mehr als 1.400 Synagogen wurden zerstört, jĂŒdische LĂ€den und Wohnungen wurden geplĂŒndert und tausende JĂŒdinnen und Juden wurden wĂ€hrend der folgenden Tage in die Konzentrationslager (KZ) deportiert. Etwa 90 Personen wurden ermordet. In der Regel wird eher von der Reichspogromnacht oder vom Novemberpogrom gesprochen, weil das Wort „Kristallnacht“ von den Nazis verwendet wurde. Gemeint waren damit die zerschlagenen Schaufensterscheiben.

Kultur

Charakteristische Vorstellungen, Errungenschaften, Gewohnheiten und Verhaltensweisen einer bestimmten ethnischen Gruppe, Nation oder Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit. Unsere Wahrnehmung von anderen Kulturen wird in der Regel von der uns vertrauten Kultur beeinflusst und ist damit subjektiv.

L
Lesbe

Frau, die sich emotional und/oder sexuell zu anderen Frauen hingezogen fĂŒhlt.

LGBT+

Oberbegriff fĂŒr verschiedene sexuelle Orientierungen und GeschlechtsidentitĂ€ten. Die vier Buchstaben stehen fĂŒr lesbisch, schwul (gay), bisexuell und transgender; das „+“ nach LGBT zeigt an, dass es noch viele weitere GeschlechtsidentitĂ€ten und SexualitĂ€ten gibt, beispielsweise queer, inter- oder asexuell.

M
Macpherson-Untersuchungsbericht

Untersuchungsbericht zum Verhalten der Polizei wĂ€hrend der Ermittlungen im Mord an Stephen Lawrence, einem jungen Schwarzen, der 1993 an einer Bushaltestelle in London erstochen worden war. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass das Vorgehen der Metropolitan Police (Polizei in London) in diesem Fall zeige, dass diese institutionell rassistisch sei. Dieses Ergebnis sorgte fĂŒr eine breite Debatte und schließlich fĂŒr ein Umdenken: er machte deutlich, wie dringend eine Auseinandersetzung mit Rassismus innerhalb der britischen Polizei ist.

Martin Luther King Jr. (1929–1968)

Pastor einer Kirche in Montgomery (US-Bundesstaat Alabama) und Schwarzer BĂŒrgerrechtsaktivist. King kĂ€mpfte gegen die „Rassentrennung“ in den USA und ist heute vor allem fĂŒr seine Rede mit dem Titel I Have a Dream (Ich habe einen Traum) bekannt, die er auf einer riesigen Demonstration fĂŒr BĂŒrgerrechte in Washington hielt.

Menschenrechte

UnverĂ€ußerliche Grundrechte, die jedem Menschen gleichermaßen zustehen. Dazu zĂ€hlen beispielsweise das Recht auf Leben, der Schutz vor Folter, die Reisefreiheit, die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit sowie die Freiheit der MeinungsĂ€ußerung. 1948 verkĂŒndeten die Vereinten Nationen die Allgemeine ErklĂ€rung der Menschenrechte „als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal“. Weitere Informationen findet ihr in der ErklĂ€rung der Menschenrechte.

Moschee

GebetsstĂ€tte der Muslime. DarĂŒber hinaus ist die Moschee ein sozialer Treffpunkt, wo Informationen, Bildung und Sozialleistungen bereitgestellt werden. Auch Streitigkeiten werden dort geschlichtet.

Muslim, Muslimin

Ein Muslim oder Moslem ist ein Angehöriger des Islam. Das arabische Wort „Muslim“ bedeutet „Der sich Gottes Frieden ergebende“. Musliminnen und Muslime glauben an einen einzigen Gott, Allah. Diese Einzigartigkeit ist zentrales Element der muslimischen SpiritualitĂ€t. Die meisten muslimischen Gemeinden sind entweder sunnitisch oder schiitisch. Es gibt aber auch eine ganze Reihe kleinerer Glaubensgemeinschaften, wie die Ahmadiyya, die Ibadis oder die Aleviten. In vielen LĂ€ndern mit mehrheitlich muslimischer Bevölkerung bilden die Sunniten die grĂ¶ĂŸte Gruppe. Manche Musliminnen und Muslime fĂŒhlen sich keiner bestimmten islamischen Gruppe zugehörig. Unter Muslimen gibt es viele unterschiedliche kulturelle Traditionen.

N
Nationalsozialismus

TotalitĂ€re und radikal antisemitische, rassistische, antidemokratische und antikommunistische Ideologie. In Deutschland war von 1933 bis 1945 ein nationalsozialistisches Regime an der Macht. Charakteristisch fĂŒr dieses Regime war die politische Kontrolle sĂ€mtlicher Bereiche des gesellschaftlichen Lebens (Gleichschaltung) und die Verfolgung aller, die als Regimegegner wahrgenommen wurden, insbesondere der JĂŒdinnen und Juden.

Nazi

Kurzwort fĂŒr die AnhĂ€ngerinnen und AnhĂ€nger des Nationalsozialismus. Es bezeichnet die Mitglieder der Nazi-Partei NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei), wird aber auch im breiteren Sinn fĂŒr alle benutzt, die an der Verfolgung von JĂŒdinnen und Juden, Roma und Sinti sowie weiteren Opfern von Nazi-Deutschland beteiligt waren.

Nazi-Deutschland

Zeit zwischen 1933 und 1945, als Deutschland unter Adolf Hitler und der Nazi-Partei NSDAP eine faschistische Diktatur war. Nazi-Deutschland löste 1939 mit dem Einmarsch in Polen den Zweiten Weltkrieg aus. Millionen Menschen, insbesondere JĂŒdinnen und Juden, wurden als Feinde des Deutschen Reichs angesehen und deswegen verfolgt und ermordet.

Neo-Nazi

Mitglied einer sozialen oder politischen Bewegung, die nationalsozialistische Überzeugungen – mit Schwerpunkt auf Rassismus, Antisemitismus und Xenophobie – vertritt. Die meisten Neo-Nazis machen Migrant*innen oder eine erfundene „jĂŒdische Verschwörung“ fĂŒr ihre eigenen oder gesellschaftlichen Probleme verantwortlich. Sie leugnen oder verharmlosen hĂ€ufig den Holocaust und andere Genozide, die von den Nationalsozialisten und deren Kollaborateuren begangen wurden. Weltweit wurden von Neo-Nazis gewalttĂ€tige Übergriffe und sogar Morde begangen. In Deutschland zĂ€hlen auch die Morde dazu, die der sogenannte Nationalsozialistische Untergrund (NSU) seit dem Jahr 2000 an neun Migrant*innen und einer Polizistin verĂŒbte.

Neuengamme (KZ)

Konzentrationslager (KZ) bei Hamburg, das zwischen 1938 und 1945 bestand. Die SS inhaftierte mehr als 100.000 Menschen in Neuengamme und seinen Außenlagern. Die HĂ€ftlinge wurden gezwungen, in der RĂŒstungsindustrie und Backsteinproduktion zu arbeiten, bis sie durch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen starben. Auch wenn die SS nicht alle HĂ€ftlinge direkt ermordete, sorgte sie gezielt fĂŒr unmenschliche Bedingungen, die zahlreichen HĂ€ftlingen das Leben kostete. Dazu gehörten der Entzug von Nahrung, eine fehlende medizinische Versorgung oder schwerste Zwangsarbeit.

NGO

AbkĂŒrzung fĂŒr „Nichtregierungsorganisation“ (Non-governmental organisation) – eine gemeinnĂŒtzige Organisation, die ĂŒber Mitgliedschaften und Spenden finanziert und oft von Freiwilligen gefĂŒhrt wird. NGOs arbeiten unabhĂ€ngig von Regierungen oder internationalen Regierungsorganisationen. Es gibt eine breite Palette an NGOs, die sich auf vielfĂ€ltige Weise fĂŒr wohltĂ€tige, politische, soziale oder religiöse Anliegen einsetzen.

Normen

Standards oder Modelle, die als typisch oder ĂŒblich gelten und deswegen von den meisten Mitgliedern einer Gesellschaft erwartet werden. Normen sind meistens nicht schriftlich festgehalten. Sie werden am deutlichsten, wenn das Verhalten eines Menschen von der Norm abweicht – so ein Verhalten wird dann als seltsam oder beleidigend empfunden.

NSDAP

(Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei): Eine von mehreren rechtsextremen Parteien, die sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland etablierten. Ihr Parteivorsitzender war ab 1921 Adolf Hitler. Die NSDAP war nationalistisch, anti-demokratisch und antisemitisch. Sie wurde 1932 zur stĂ€rksten Partei im Reichstag (Sitz des deutschen Parlaments). Als Hitler 1933 Kanzler wurde, verboten die Nationalsozialisten alle anderen politischen Parteien und errichteten eine Diktatur. Hitler war sowohl ParteifĂŒhrer als auch Staatsoberhaupt. Das Parteisymbol, das Hakenkreuz, wurde zum National-Emblem. Bis zu ihrem Verbot durch die Alliierten nach dem Zweiten Weltkrieg blieb die NSDAP die einzige offizielle deutsche Partei.

O
Ostfront

Im Ersten Weltkrieg wurde das Kriegsgebiet (die Front) damit bezeichnet, in dem Deutschland und Österreich-Ungarn gegen Russland kĂ€mpften. Im Zweiten Weltkrieg stand der Begriff fĂŒr die Front zwischen Deutschland und Polen, spĂ€ter auch fĂŒr die zwischen den Truppen der AchsenmĂ€chte und denen der Sowjetunion.

P
Paragraf 175

Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches (1872–1994) stellte homosexuelle Handlungen zwischen Personen mĂ€nnlichen Geschlechts unter Strafe. Die Nationalsozialisten nutzten diesen Paragrafen als Grundlage fĂŒr die Verfolgung homosexueller MĂ€nner. Tausende wurden verhaftet und in Konzentrationslager (KZ) deportiert, wo die meisten von ihnen ermordet wurden. Der Paragraf war in Deutschland bis 1994 gĂŒltig. Im Jahr 2017 wurden die nach dem § 175 StGB gefĂ€llten Urteile aufgehoben und den Verurteilten EntschĂ€digung versprochen.

People of Colour

Dieser Begriff bezeichnet verschiedene Gesellschaftsgruppen, die in einer Weiß-dominierten Kultur als nicht-Weiß gelten und systembedingtem Rassismus ausgesetzt sind. Er verweist auf die Idee einer solidarischen Haltung unter allen rassistisch diskriminierten Gruppen. Allerdings setzt er weiterhin die Kategorie „Weiß“ als Standard.

Pogrom

Der Begriff „Pogrom“ stammt von dem russischen ĐżĐŸĐłŃ€ĐŸĐŒ und bedeutet „Zerstörung“. Er beschrieb ursprĂŒnglich die gewaltsamen Angriffe gegen die jĂŒdische Bevölkerung Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Russland. SpĂ€ter wurden auch die antisemitischen Ausschreitungen der Nationalsozialisten und ihrer Kollaborateure als Pogrome bezeichnet. Seither hat sich der Sprachgebrauch ausgedehnt und der Begriff bezeichnet heute auch Angriffe auf europĂ€ische JĂŒdinnen und Juden im Mittelalter oder organisierte Übergriffe und Massaker an ethnischen Gruppen allgemein, wie beispielsweise an den Sikhs in Indien oder den Aleviten in der TĂŒrkei.

Porajmos

Das Romanes-Wort „Porajmos“ bezeichnet den Genozid an den Sinti und Roma wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs durch die deutschen Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure. Ziel war die Vernichtung der Sinti und Roma in Europa.
Die Zahl der Todesopfer ist nicht bekannt, SchÀtzungen sprechen jedoch von mindestens 500.000 Menschen. In der Bundesrepublik Deutschland wurde der Porajmos erst 1982 offiziell als Genozid anerkannt. Doch trotz dieser offiziellen Anerkennung ist der Genozid an den Sinti und Roma noch weitgehend unbekannt.

Q
Queer

Als „queer“ bezeichnen sich Personen, die sich nicht mit den gesellschaftlich konstruierten Normen identifizieren, die ihrem biologischen Geschlecht zugewiesen werden. Ihre GeschlechtsidentitĂ€t kann sich ĂŒberall zwischen „mĂ€nnlich“ und „weiblich“ bewegen.

R
Rabbi

JĂŒdischer Gelehrter, der die Vorschriften der Torah auslegt und lehrt. Außerdem das geistliche Oberhaupt einer jĂŒdischen Gemeinde oder Synagoge. Ein Rabbi darf Gebetsgottesdienste abhalten und wird bei Fragen zu jĂŒdischen Gesetzen oder sonstigen Lebensfragen um Rat gebeten.

Rationierung

Kontrollierte Zuteilung von nur beschrĂ€nkt vorhandenen GĂŒtern wie Nahrungsmitteln, Kleidung oder Benzin. Die Rationierung kommt oft in Kriegszeiten zur Anwendung, wenn beispielsweise Marken ausgegeben werden, mit denen die Bevölkerung jeden Monat eine begrenzte Menge der knappen GĂŒter kaufen kann.

RavensbrĂŒck (KZ)

Konzentrationslager (KZ) fĂŒr Frauen und MĂ€dchen, 90 Kilometer nordöstlich von Berlin. Die HĂ€ftlinge mussten in Fabriken Zwangsarbeit leisten, beispielsweise bei Siemens. Als die Ostfront nĂ€her rĂŒckte, versuchte die SS, möglichst viele von ihnen zu ermorden. Insgesamt wurden etwa 30.000 Menschen in RavensbrĂŒck ermordet.

Roma

„Roma“ ist der Oberbegriff fĂŒr alle Angehörigen der Bevölkerungsgruppen in Europa, die sich Roma, Sinti oder Kale nennen oder sich zahlreichen weiteren verwandten Gruppen zugehörig fĂŒhlen. Der Begriff umfasst eine breite Vielfalt an unterschiedlichen Menschen. FĂŒr Einzelpersonen werden die Begriffe „Rom“ (mĂ€nnlich) oder „Romni“ (weiblich, Mehrzahl „Romnija“) verwendet. Roma teilen Elemente eines kulturellen Erbes, manche – aber nicht alle – sprechen eine gemeinsame Sprache und einige können auf eine gemeinsame Geschichte zurĂŒckblicken.
Die Selbstbezeichnungen der Roma sind je nach Sprache unterschiedlich. So verwenden Roma-Organisationen in manchen LĂ€ndern – beispielsweise in Großbritannien – den Begriff „Gypsy“ („Zigeuner“), obwohl er von vielen als Beleidigung abgelehnt wird. Im gesprochenen Deutsch wird „Sinti und Roma“ als Wortpaar benutzt.

Romani

Oberbegriff – neben dem Wort Roma – fĂŒr alle Angehörigen der Bevölkerungsgruppen der Sinti und Roma. Es wird vermutet, dass diese Bevölkerungsgruppen im 5. Jahrhundert von Nordindien aus nach Westen aufbrachen. Im 14. Jahrhundert kamen sie auf dem Balkan und im 15. Jahrhundert in Deutschland und Frankreich an.

Außerdem bezeichnet der Begriff „Romani“ die verschiedenen Sprachen der Roma. Diese weisen Ähnlichkeiten auf, sind aber auch unterschiedlich, vergleichbar in etwa mit den slawischen Sprachen. Sinti in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Frankreich und Norditalien sprechen Romanes, das auch „Sinte-Romani“ genannt wird.

Rosa Parks (1913 – 2005)

US-amerikanische BĂŒrgerrechtsaktivistin. Sie wurde 1955 in Montgomery (US-Bundesstaat Alabama) verhaftet, weil sie sich weigerte, ihren Sitzplatz im Bus fĂŒr einen weißen Fahrgast zu rĂ€umen. Dies löste den Busboykott von Montgomery aus, der von Martin Luther King Jr. organisiert wurde und der zur Abschaffung der sogenannten Rassentrennungsgesetze in den USA beitrug.

Russische Front

Siehe Ostfront.

„Rasse“

Diese Bezeichnung wurde in der Vergangenheit benutzt, um Menschen in Gruppen einzuteilen. Die Grundlage dafĂŒr waren scheinbare biologische Ähnlichkeiten oder Eigenschaften, die fĂŒr eine Gruppe als spezifisch galten und sie somit von anderen Gruppen unterschied. In der Zwischenzeit wurde die Vorstellung von „Rasse“ als historisches Konzept verworfen. Es ist nicht mehr als biologisch stichhaltige Klassifikation anerkannt. Wir sind eine Spezies und unsere genetischen Unterschiede definieren nicht unseren Charakter, unsere FĂ€higkeiten oder unsere IdentitĂ€t. Die Vorstellung von „Menschenrassen“ bildet jedoch die Grundlage fĂŒr Rassismus.

S
Schikanierung, Mobbing

Wiederholtes aggressives Verhalten, das verletzen soll. Die Schikane kann auf verbaler, emotionaler und körperlicher Ebene oder auch online stattfinden. Wenn die Aggression von einer Gruppe ausgeht, wird dies als Mobbing bezeichnet. Angriffsziele sind hĂ€ufig die (soziale) Herkunft, die Religion oder bestimmte Verhaltensweisen, außerdem körperliche Merkmale wie GrĂ¶ĂŸe, StĂ€rke, Aussehen, EinschrĂ€nkungen oder Körpersprache. Auch die sexuelle Orientierung und das Geschlecht gehören dazu.  Mobbing kann zu schwerwiegenden, dauerhaften Problemen fĂŒhren.

Schwarze, Schwarzer

Begriff, mit dem dunkelhĂ€utige Menschen beschrieben werden. Die Definition des Begriffs kann je nach Kultur und Gesellschaft, in der er verwendet wird, sehr unterschiedlich sein. Sich heute als „Schwarz“ zu bezeichnen ist eine politische Aussage und eine Wiederaneignung des Begriffs mit Stolz (vgl. People of Colour). Die Großschreibung der Begriffe „Weiß“ und „Schwarz“ soll betonen, dass mit den Begriffen gesellschaftlich wirkungsvolle Kategorien beschrieben werden sollen und keine Ă€ußerlichen Zuschreibungen.

Schwul (Gay)

Der englische Begriff „gay“ beschreibt Menschen, die sich zu anderen Menschen ihres eigenen Geschlechts hingezogen fĂŒhlen. Im deutschsprachigen Raum wird „gay“ allerdings hĂ€ufig nur fĂŒr „schwul“ verwendet, nur manchmal sind auch Lesben damit gemeint. In manchen LĂ€ndern wird der Begriff seit den 1990er-Jahren auch negativ verwendet, um jemanden oder etwas abzuwerten. Ein Beispiel dafĂŒr ist der Ausdruck „Das ist so schwul!“ Doch wird „gay“ auch als kraftvolles, positives Wort eingesetzt, beispielsweise in den Bezeichnungen „Gay Pride“ oder „Gay Games“.

Sexuelle Orientierung

Vorliebe in Bezug auf die Sexualpartner. Allgemeiner verstanden außerdem das sexuelle oder anderweitige Interesse an einer anderen Person.

Shoah

HebrĂ€ischer Begriff fĂŒr „Zerstörung“ oder „Katastrophe“, mit dem der Genozid an sechs Millionen JĂŒdinnen und Juden durch deutsche Nationalsozialisten und ihre Kollaborateure bezeichnet wird. Das Hauptmotiv fĂŒr dieses Verbrechen war Antisemitismus. Die Bezeichnung „Shoah“ verweist außerdem auf die kulturelle, soziale und intellektuelle Vernichtung der jĂŒdischen Bevölkerungsgruppe in Europa. Die Shoah wird auch als Holocaust bezeichnet.

Sinti

MitteleuropĂ€ische Roma-Gruppe. Sinti sind die am lĂ€ngsten in Deutschland und Österreich lebende Roma-Gruppe. Sie sind als sogenannte nationale Minderheit anerkannt. WĂ€hrend die Sinti frĂŒher traditionell umherzogen, sind die meisten heute sesshaft.

SS

AbkĂŒrzung fĂŒr Schutzstaffel, die militĂ€rische Eliteorganisation der Nazi-Partei NSDAP, die auch einen eigenen Geheimdienst unterhielt. Die SS besaß zahlreiche Unternehmen, die von der Zwangsarbeit von KZ-HĂ€ftlingen profitierten. In ihren Verantwortungsbereich fielen Betrieb und Verwaltung von Konzentrations- und Vernichtungslagern. Die SS war maßgeblich fĂŒr die dortigen Massenmorde verantwortlich.

Stereotype

Verbreitete und vereinfachte Vorstellungsbilder ĂŒber eine bestimmte Personengruppe. Stereotype können positiv, negativ oder wertneutral sein. Sie können dazu verleiten, Unterschiede zwischen verschiedenen Gruppen zu ĂŒbertreiben, indem entweder einzelne Gruppen fĂ€lschlicherweise als homogen angesehen werden oder nur die Unterschiede zwischen den Gruppen betont werden.

Stop and search (Personenkontrolle und Durchsuchung)

Der Begriff „Stop and search“ (in den USA auch „Stop and frisk“ – „Anhalten und filzen“) bezeichnet die Befugnis der Polizei, VerdĂ€chtige ohne Haftbefehl, BegrĂŒndung oder Beweise anhalten, durchsuchen und anschließend verhaften zu können. In vielen StĂ€dten und LĂ€ndern konnte nachgewiesen werden, dass Schwarze hĂ€ufiger von Stop and search-Maßnahmen betroffen sind als andere. Somit folgen solche Maßnahmen der Erstellung von TĂ€terprofilen nach rassischen Gesichtspunkten (racial profiling).

Synagoge

JĂŒdisches Gebetshaus, das auch fĂŒr das Studium der Torah sowie fĂŒr Versammlungen und Lehrveranstaltungen genutzt wird. Sie ist die wichtigste Institution im Judentum und hat den gemeinschaftlichen Gottesdienst des Christentums und des Islams maßgeblich beeinflusst.

T
Talmud

Eines der bedeutendsten Schriftwerke im Judentum. Der Talmud ist eine Sammlung alter rabbinischer Aufzeichnungen und Diskussionen jĂŒdischer Gesetzestexte und Traditionen. Er baut auf die Torah auf und bildete die Grundlage fĂŒr spĂ€tere jĂŒdische GesetzbĂŒcher.

Todesmarsch

In der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs, als die Alliierten StreitkrĂ€fte vorrĂŒckten, deutsch-besetztes Gebiet befreiten und Teile von Deutschland einnahmen, zwang die SS HĂ€ftlinge der Konzentrationslager (KZ) auf TodesmĂ€rsche. Durch die TodesmĂ€rsche sollten den Alliierten keine Zeugen und Beweise fĂŒr die von den Deutschen begangenen GrĂ€ueltaten hinterlassen werden. Außerdem sollte die Arbeitskraft der HĂ€ftlinge auf diese Weise noch so lange wie möglich weiter ausgenutzt werden. Die bereits völlig entkrĂ€fteten HĂ€ftlinge der Konzentrationslager wurden in Eisenbahnwaggons gesperrt abtransportiert oder zu tage- und wochenlangen FußmĂ€rschen gezwungen – und diejenigen, die nicht mehr Schritt halten konnten, wurden von den SS-Wachmannschaften erschossen. WĂ€hrend dieser RĂ€umungen der Lager wurden tausende HĂ€ftlinge ermordet (entweder direkt oder sie starben an UnterernĂ€hrung und Krankheiten). Manche TodesmĂ€rsche endeten mit der Massenermordung aller HĂ€ftlinge.

Torah

Handgeschriebene Rolle aus Pergament mit dem hebrĂ€ischen Text der ersten fĂŒnf BĂŒcher Mose (Altes Testament). Sie wird beim Gottesdienst in der Synagoge verwendet. Der Begriff „Torah“ wird auch im breiteren Sinne fĂŒr alle maßgeblichen jĂŒdischen Religionslehren verwendet.

Transgender

Personen, die eine andere GeschlechtsidentitĂ€t leben als die ihnen bei der Geburt zugewiesene. Manche, aber nicht alle, entscheiden sich fĂŒr medizinische geschlechtsangleichende Maßnahmen („Transition“). Wird das körperliche Geschlecht abgelehnt, kann dieses durch Operationen oder mittels einer Hormontherapie einem Erscheinungsbild angeglichen werden, das fĂŒr das gelebte Geschlecht als typisch gilt.

Transphobie

Transphobie bezeichnet negative Haltungen und GefĂŒhle gegenĂŒber Transgender (auch: trans*). Transphobie wird hĂ€ufig als eine Form der Homophobie verstanden. Der Begriff bezeichnet  fĂ€lschlicherweise ein medizinisches Problem: dass es sich bei der feindlichen Einstellung um nicht kontrollierbare AngstgefĂŒhle handele („Phobie“).

U
Übereinkommen ĂŒber die Rechte des Kindes (UN-Kinderrechtskonvention)

Das Ziel der UN-Kinderrechtskonvention ist der Schutz von Kindern weltweit und das Garantieren ihrer Rechte. Zu den GrundsĂ€tzen zĂ€hlen das Recht auf Leben, der Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung sowie das Recht auf freie MeinungsĂ€ußerung. Zum jetzigen Zeitpunkt (2017) haben 196 Staaten die Konvention ratifiziert, einschließlich aller Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) mit Ausnahme der USA. Weitere Informationen dazu findet ihr im Übereinkommen ĂŒber die Rechte des Kindes. 

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Überlegen

Wenn sich jemand ĂŒberlegen fĂŒhlt, denkt diese Person, sie sei besser oder wĂ€re höher gestellt als andere. Das Gegenteil ist „unterlegen“ oder „minderwertig“.

V
Verfolgung

UnterdrĂŒckung und EinschĂŒchterung von Menschen aufgrund ihrer Religion, ihrer Überzeugungen, ihrer sexuellen Orientierung, vorherrschenden Vorstellungen von Geschlecht (Gender) oder aus rassistischen GrĂŒnden.

Vichy-Frankreich

GebrĂ€uchliche Bezeichnung fĂŒr den sogenannten Französischen Staat unter Marschall Philippe PĂ©tain, der nach dem Waffenstillstand mit Deutschland im Juli 1940 gebildet wurde. Das Vichy-Regime war nach seinem Regierungssitz, dem Ort Vichy in SĂŒdfrankreich, benannt und bestand bis 1944. Vichy-Frankreich kollaborierte bis zu einem gewissen Grad mit Nazi-Deutschland und erließ auch antisemitische Gesetze.

Vorurteil

Vorgefasste Meinung, die auf Merkmalen wie Geschlecht (Gender), sexuelle Orientierung, Herkunft oder Religion beruht. Vorurteile basieren nicht auf tatsĂ€chlichen GrĂŒnden oder Erfahrungen. Sie sind meist negativ und werden hĂ€ufig zur Rechtfertigung von Diskriminierung herangezogen. Im Gegensatz zu Stereotypen sind Vorurteile emotionsgeladen. Vorurteile sind oft unbewusst und deswegen schwer zu ĂŒberwinden.

W
Weiße, Weißer

Begriff, mit dem hellhĂ€utige Menschen beschrieben werden, die ĂŒberwiegend europĂ€ische Vorfahren haben. Seit dem Kolonialismus wird der Begriff mit Macht, Fortschritt und einer hochentwickelten Kultur verbunden. Die soziale Konstruktion von „Weißsein“ spielt in vielen LĂ€ndern eine zentrale Rolle. Sie wird zur Bildung von nationalen IdentitĂ€ten herangezogen und fĂŒhrt oft zur Diskriminierung derjenigen, die nicht als Weiß angesehen werden. Die Großschreibung der Begriffe „Weiß“ und „Schwarz“ soll betonen, dass mit den Begriffen gesellschaftlich wirkungsvolle Kategorien beschrieben werden sollen und keine Ă€ußerlichen Zuschreibungen.

Wittenberge (KZ)

Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme.

X
Xenophobie

Angst vor oder Hass auf alle und alles, was als „fremd“ wahrgenommen wird, beispielsweise Menschen aus einem anderen Land oder Kulturkreis. Das kann die Angst vor IdentitĂ€tsverlust oder ein Misstrauen gegenĂŒber den AktivitĂ€ten der „Anderen“ beinhalten – gegen diese wird mit dem Wunsch, sie loszuwerden, aggressiv vorgegangen. Ziel ist dabei die Bewahrung der eigenen Kultur.

Z
Zeugen Jehovas

Christliche Religionsgemeinschaft, die im ausgehenden 19. Jahrhundert in den USA gegrĂŒndet wurde. Ihre Mitglieder glauben, dass die Bibel von Gott inspiriert und historisch genau ist. Sie versuchen, ihr Leben konsequent an der Heiligen Schrift auszurichten. Sie sind durch ihre MissionstĂ€tigkeit an Haus- und WohnungstĂŒren bekannt; sie lehnen weltliche Regierungen ab und verhalten sich politisch neutral. In Nazi-Deutschland wurden die Zeugen Jehovas verfolgt, da sie sich weigerten, den MilitĂ€rdienst zu leisten oder den Hitlergruß zu zeigen. Von den 20.000 deutschen Zeugen Jehovas wurden 10.000 inhaftiert, 2.000 wurden in Konzentrationslager (KZ) deportiert.

Zigeuner

Der Begriff „Zigeuner“ wird hĂ€ufig als rassistisches Schimpfwort benutzt. Er wird meist von Menschen verwendet, die sich nicht selbst als solche sehen. Es gibt keine einheitliche Gruppe von „Zigeunern“ und oft bezeichnen sich die Gemeinschaften, die so genannt werden, anders. Viele sehen sich selbst als Sinti oder Roma.

Zionismus

Überzeugung, dass JĂŒdinnen und Juden eine nationale HeimstĂ€tte in PalĂ€stina haben sollten. Der Begriff wird auch fĂŒr die jĂŒdische nationalistische Bewegung verwendet, die sich Ende des 19. Jahrhunderts fĂŒr die Errichtung eines jĂŒdischen Nationalstaats in PalĂ€stina einsetzte.

Zweiter Weltkrieg

Der Krieg begann 1939 mit dem Überfall auf Polen durch Nazi-Deutschland. Die Alliierten StreitkrĂ€fte kĂ€mpften gegen die sogenannten AchsenmĂ€chte. Er war der zweite weltweit gefĂŒhrte Krieg und forderte mehr als 65 Millionen Todesopfer. 1945 endete der Zweite Weltkrieg mit dem Sieg der Alliierten.